Leitartikel des  Präsidenten Wolfgang Beck in der Vereinszeitung Juni/Juli 2004

Liebe Mitglieder,

der TV 1848 ist weiter auf Erfolgskurs: Auf der Mitgliederversammlung konnte ich sagen: Die Mitgliederzahlen sind gestiegen, die Schulden wurden verringert, das Programm erweitert, die Projekte vermehrt.

Über 6.000 Mitglieder

Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat der TV 1848 im letzten Jahr, am 31.12.2003 nach Abzug aller Austritte waren es 6.066, diese Grenze überschritten. Die Zunahme betrug 193 Mitglieder gegenüber dem Vorjahr. Hierbei blieb die Fluktuation wieder sehr hoch: 1053 Eintritten standen 860 Austritte gegenüber.
Ich begreife die steigende Mitgliederzahl als einen wichtigen Indikator für die hervorragende Arbeit der Abteilungsleitungen, die hohe Motivation und das Engagement der hauptamtlich Beschäftigten, die gute Positionierung unserer Sportstätten, die Richtigkeit unserer Vereinspolitik.

Qualitätsfragen

Gleichwohl ist das direkte Streben nach ständig höheren Mitgliederzahlen kein Ziel unserer Vereinspolitik gewesen. Vielmehr gilt die vor zwei Jahren ausgegebene Devise unverändert: Mitgliederzahl um 6.000 stabilisieren, alle Ressourcen überprüfen, die Qualität unserer Angebote verbessern. Neben der üblichen Qualifikation und Fortbildung unserer Übungsleiter im allgemeinen Sportbetrieb gilt dies für das TV-Vital: Hier arbeiten ausschließlich Sportlehrer, Physiotherapeuten und Fitness-Trainer mit Lizenz. Außerdem haben wir hier das Zertifizierungsverfahren beim zuständigen TÜV Rheinland eingeleitet.
Dass wir im Gesundheitssport, insbesondere im Präventions- und Reha-Bereich, mit hohen Standards und teilweise mit wissenschaftlicher Begleitung arbeiten, ist eigentlich selbstverständlich. Herz-, Osteoporose-, Rollstuhl- und Übergewichtige-Kinder-Sport zählen hierzu.

Marketing-Frage

Seit dem vergangenen Jahr sind wir mit unserer Marketinggruppe dabei, den Verein zu durchleuchten (Analyse-Phase), Ziele zu definieren (Konzeptionsphase, Strategien entwickeln) und die Zukunft zu gestalten. Gerd Lönne und Jörg Bergner haben in der Gesamtpräsidiumssitzung erste Ergebnisse dargestellt. Wir sind beispielsweise in der Wohnbereichsfrage der Mitglieder und im Seniorensport zu überraschenden und interessanten Ergebnissen gelangt. Der TV 1848 hat als Altstadtverein eine historische, traditionelle Bedeutung. TV-Persönlichkeiten leben dort. Wenn aber beispielsweise von den 4.146 Altstadtbewohnern nur 115 Mitglieder im TV, von den 16.868 Büchenbachern aber 2.240 TVler mit familiärem Bedarf sind, muss das neue Sportkonzepte zur Folge haben. Wenn wir westlich des Regnitzgrunds nahezu konkurrenzlos operieren können, muss das unsere Strategien genauso herausfordern wie etwa die Tatsache, dass wir uns im Fitnesssport einerseits und im Seniorensport andererseits auf marktstrategisch völlig verschiedenen Terrains bewegen. Eine der Kardinalfragen für mich lautet: Was kann die Vereinsführung bei aller Autonomie der Abteilungenzu deren Prosperität beitragen? Wir müssen hier, ausgehend vom Ist-Zustand, Strukturen schaffen, die unabhängig von der jeweiligen Person im Ehrenamt (aber immer unter dessen Führung!) die Existenz, Entwicklung und Erweiterung von Sportabteilungen gewährleisten.

Klaus-Wilhelm-Frage

"Man muss der Legendenbildung entgegenwirken", hat Hermann Gumbmann gesagt, als er Entscheidungen der Stadt vom TV falsch dargestellt sah. Diesmal wird im Turnverein und außen herum so viel Unsinniges fabuliert, dass einem die Haare - sofern man noch welche hat - zu Berge stehen: Der "angestellte" Geschäftsführer stehe über dem ehrenamtlichen Schatzmeister und bestimme über die Ausgaben, ja er entscheide, was im TV 1848 geschieht. Wenn man beim Turnverein meine, das Ehrenamt des Schatzmeisters streichen zu können, könne das bezahlte Präsidium nicht mehr weit sein.
Mit Verlaub: Das ist Quatsch!
Fakt ist: Der sehr engagierte, sich mit dem TV 1848 identifizierende Geschäftsführer macht eine hervorragende Arbeit. Er ist aber nicht nur Verwalter, sondern nimmt auch Ideen auf und macht konkrete Vorschläge zur Vereinsentwicklung. Aber allein das Geschäftsführende Präsidium entscheidet alle Fragen des Vereins. Der Geschäftsführer hat im TV 1848 kein Stimmrecht in den Präsidiumssitzungen.
Es hat auch in den letzten neun Jahren, seit Klaus Wilhelm das Amt des Schatzmeisters wieder übernommen hat, niemand daran gedacht, das Schatzmeister-Ehrenamt zu streichen. Wenn auch die Funktion im engeren Sinne im hauptamtlich geführten Verein an Gewicht verloren hat. Um viele Finanzfragen (Gehälter, Etats, Zuschüsse, Überweisungen freilich mit der zweiten Unterschrift von Schatzmeister oder Präsident) kümmert sich der Geschäftsführer. Jörg Bergner erledigt dies mit höchstmöglicher Genauigkeit, größter Zuverlässigkeit und voller Zustimmung aller Präsidiumsmitglieder.
Die Ursachen für die Irritationen, Unstimmigkeiten, Verletzungen zwischen dem Schatzmeister einerseits und dem Geschäftsführer sowie immer mehr den "männlichen Präsidiumsmitgliedern" (Klaus Wilhelm in den EN, 4.5.04) andererseits liegen für mich im zwischenmenschlichen Bereich. Unsere Meinungsverschiedenheiten, z. B. auch über Austragungsorte der Kritik am Geschäftsführer, am Hausmeister, eskalierten, als der Schatzmeister seinen vermehrten Arbeitseinsatz in der Geschäftsstelle nach seiner Pensionierung ankündigte. Eine gedeihliche Zusammenarbeit der beiden Parteien wurde sehr schwierig. Bei einer 2-tägigen Aussprache unter Moderation aller Hauptamtlichen und einer Präsidiumsaussprache - beide außerhalb unseres Vereins - konnten die Spannungen nicht ausgeräumt werden. Der Schatzmeister, zu dem ich nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis habe, wählte für seinen Rücktritt die spektakuläre Variante, nämlich auf der Mitgliederversammlung. Ein Rücktritt vorher (Gesamtpräsidiumssitzung!) oder nachher wäre im Interesse des Vereins die bessere Lösung gewesen.
Dass mit diesem Rücktritt der Geschäftsführer in den Mittelpunkt der Kritik gerückt wurde, halte ich für die größte Ungerechtigkeit, die ich persönlich je erlebt habe. Der Mann, der sicher bei seinen Arbeitsbedingungen und -anforderungen, seine Ecken und Kanten nach außen haben kann, stand auch noch auf der Mitgliederversammlung loyal zum Schatzmeister, was in der hektischen Atmosphäre aber kaum jemand bemerkt hat.
Klaus Wilhelms Rücktritt hat, von der Mitgliederversammlung ausgehend, bei vielen TVlern, aber auch außerhalb unseres Vereins hohe Wogen geschlagen. So blieb mir eine längere Stellungnahme an dieser Stelle nicht erspart, zumal viele Emotionen im Spiel sind.
Viele ältere Mitglieder hätten gern ein weiteres Mitwirken des Schatzmeisters in der Vereinsführung gehabt. Der Stadtverbandsvorsitzende der Erlanger Sportvereine Robert Thaler hat sich zu Vermittlungsgesprächen bereit erklärt und sie durchgeführt, wofür ich ihm herzlich danke. Die Gespräche konnten keine tragbare oder gar einvernehmliche Lösung herbeiführen. Damit ist der Rücktritt endgültig. Ich bedauere ihn sehr, hoffe aber, dass der im Verein verwurzelte Mann nach einer Pause in ein Amt des TV 1848 zurückkehrt. Freilich hatte Klaus Wilhelm auf der Mitgliederversammlung vor drei Jahren seinen Rücktritt nach der damals folgenden Wahlperiode als endgültig angekündigt und hat ihn auch für die Mitgliederversammlung 2005 beabsichtigt.
Klaus Wilhelm und ich haben auch ein dreistündiges, vertrauliches Gespräch geführt. Mit Ed Benesch, der oft viel mehr weis als er in den EN preisgibt, und genau darauf achtet, dass niemand persönlich verletzt wird, habe ich über seine Berichte und seinen Kommentar diskutiert. Hier ging es vor allem um die Frage alter und neuer Strukturen im Sportverein. Man kann die Rücktrittsfrage wenden, wie man will, sie bleibt stets ein vielschichtiges Problem.
Bei allem Streit darf man zentrale Realitäten nicht übersehen. Alle Beteiligten haben in ihrem Wirken das Wohl des Turnvereins zum Ziel. Unsere Finanzlage ist niemals Gegenstand der Auseinandersetzungen gewesen, Klaus Wilhelm hat es so formuliert: "Ich hinterlasse geordnete Finanzen. Es wird auch nach meinem Ausscheiden auf keinen Fall etwas finanziell aus dem Ruder laufen."
Der bisherige Schatzmeister hat für seine jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit den Respekt aller Vereinsmitglieder uneingeschränkt verdient. Sie wird zu einem anderen Zeitpunkt zu würdigen sein. Wir werden andererseits unsere Art der Vereinsführung fortsetzen, weil es angesichts der hohen Mitgliederzahl, der Komplexität der Aufgaben, des Umfangs unseres Etats keine Alternative gibt. Wir lassen uns lieber eine zu professionelle Führung ("Siemens-Betrieb"!) als Dilettantismus vorwerfen. Der würde - von Laienspielern betrieben - dem TV 1848 wirklich an die Substanz gehen.
Was wir alle jetzt erwarten dürfen, ist, dass wieder Ruhe einkehrt im Turnverein. Wir wollen unsere ehrenamtliche Arbeit machen. Wer sie kritisieren will, soll es bei uns tun. Das kann helfen. Wer aber nur am Biertisch Kritik übt, bei Diskussionen und Entscheidungen in den Gremien schweigt, der stänkert, sorgt für Ärger und Unruhe.

Dank des Turnvereins

Im Namen des TV 1848 danke ich nach der ersten Hälfte der Wahlperiode allen Gewählten in der Vereinsführung, dem zurückgetretenen Schatzmeister genauso wie den übrigen Kollegen im Geschäftsführenden und Gesamtpräsidium. Manche haben ihrer Funktion gemäß beraten, manche einen Teil ihrer Freizeit, einige ihre ganze Freizeit und einige darüber hinaus auch noch ihre Urlaube eingebracht!
Der Dank des Vereins muss auch all jenen gelten, die in Arbeitseinsätzen als Gruppe oder Einzelne im TV-Vital, am Europakanal-Gelände und in der Jahnhalle unentgeltlich gewirkt haben. Hierzu zählen im zurückliegenden Jahr auch all jene, die bei der Bergkirchweih am Erich-Keller gearbeitet haben, von dessen Gewinn ein Teil unserer Schulden getilgt werden konnte.
Im Auftrag der ehrenamtlichen Führung danke ich für dieses Jahr unserer Amtsperiode auch allen, die beim Turnverein ihr Geld verdienen. Viele von ihnen haben auch unentgeltlich bei Sondereinsätzen geholfen.
Unser Dank gilt auch Maria Rosaria und Fernando, die aus unserer alten Jahngaststätte wieder ein besuchenswertes Lokal mit guten und feinen Speisen gemacht haben und eine herzliche Atmosphäre verbreiten. Andrej und Vesna Kvas in unserem Restaurant am Europakanal sind in diesem Zusammenhang genauso zu empfehlen!
Mit den nebenstehenden Nachrufen möchte ich den zuletzt Verstorbenen unseres TV 1848, aber auch ihren Familien Dank sagen für Ehrenämter, Einsätze, Förderung und Treue. Fritz Dorn, Klaus Nendel, Herbert Marx, Georg Petsch haben dem Turnverein viel gegeben.
Die zahlreichen neuen Mitglieder heiße ich herzlich willkommen und wünsche allen guten Sport und eine offene Aufnahme in ihren Abteilungen und im Verein insgesamt.