| Leitartikel des Präsidenten Wolfgang Beck in der Vereinszeitung August/September 2004 | ||||||||
|
Liebe
Mitglieder, selbst auf die Gefahr hin, dass ich einige potentielle künftige Präsidiumsmitglieder mit den hohen Qualifikationen und widersprüchlichen Voraussetzungen für das Ehrenamt verschrecke, möchte ich die rein hypothetische Frage stellen, wer könnte eigentlich einen Sportverein führen, z. B. den TV 1848 mit mehr als 6.000 Mitgliedern? Lassen Sie mich die hypothetische Frage zunächst einmal selbst beantworten: Ein 40-jähriger Siemensmanager mit glänzenden Karriereaussichten bei gleichzeitiger, hoher Freizeit, um einen zweiten Job, den des Vereinsvorsitzenden, ausführen zu können; studiert haben sollte er BWL und Jura, verfügen sollte er über eine große Integrationsfähigkeit für seine Mitvorstände, die von den zufällig anwesenden Vereinsmitgliedern auf der Jahreshauptversammlung wie er in ihr unentgeltliches Ehrenamt gewählt wurden. Ein 40-jähriger Heinrich von Pierer wäre z. B. keine schlechte Lösung, zumal er eine weitere Qualität, nämlich seit seiner Kindheit Mitglied des TV 1848 zu sein, mitbrächte. Zur Seite stehen sollte ihm ein etwas jüngerer, hoch motivierter Sport-Ökonom im Hauptberuf, der sich voll in die Dienste des Vereins stellt. Die ehrenamtlichen Mitvorstände sollten Bauunternehmer, Banker, Politiker und PR-Manager sein, alle mit dem nötigen Freizeitbudget ausgestattet. Dank an Siemens Nun, liebe Mitglieder, lassen Sie mich meine TV-Führungsmänner an diesem Ideal messen. Gerade hat das Gesamtpräsidium Heinz Müssenberger, der sein Berufsleben lang bei der Sparkasse gearbeitet hat, einstimmig zum neuen Schatzmeister gewählt. Er ist wie Pierer (s.o.) im Jahr 1948 in den TV eingetreten, dabei ein Jahr jünger als der 63-jährige Siemens-Chef. Darüber hinaus war Müssenberger im Präsidium Ehrenfried Meiers bereits sechs Jahre lang TV-Schatzmeister, hat die Wander- und Wintersport-Abteilung am 20.9.1991 wesentlich mit gegründet und ist seitdem ihr Abteilungsleiter. Auch aus seiner Lungerer-Mitgliedschaft heraus kennt er seinen Turnverein. Dietmar Dommick ist als Framatome (früher KWU) Betriebsrat kein Bauunternehmer, aber was er mit unserem Hügel zustande gebracht hat, hätten ein Landschaftsgärtner und ein Baufachmann nicht besser gelöst. Dies gilt auch für seine früheren baulichen Veränderungen am Kosbacher Weg. Der Arbeitsgruppen-Einsatz zeugt von seinem organisatorischen Geschick. Eine ähnliche Aufgabe nimmt Wirtschaftsführer Werner Hainzl, Arbeitsplatz: Medical Solutions, im Jahnhallen-Bereich wahr, während unser Beirat für Elektro-Angelegenheiten Manfred Schlegel seine Fähigkeiten von der Siemens Verkehrstechnik mitbringt. Den größten Nutzen aber von der Weltfirma hat unser Gesamtverein vom bisherigen Siemens Manager (und jetzigem Pensionär) Gerd Lönne. Was dieser Mann an Durchführungskonsequenz, Mängel- und Problemkontrolle, Investitionssystematik, insgesamt an Führungs-Know-how in die Präsidiumsarbeit gebracht hat (bei einem hohen persönlichen Arbeitseinsatz und in Kooperation mit dem Geschäftsführer), ist mit Geld für den TV 1848 überhaupt nicht zu bezahlen. Mit der EDV-Arbeit des ehemaligen Siemensmitarbeiters Gerhard Jagusch in der TV-Geschäftsstelle, seiner und des (mitten in seiner umfangreichen Arbeit beim Weltkonzern stehenden) Alfred Balle kann der TV 1848 einen informativen, gelungenen, benutzerfreundlichen Internetauftritt bieten. Damit schließe ich hier die Tour d‘ herizon durch unsere „Siemensler“. Meinen Dank möchte ich dem häufiger gescholtenen Weltunternehmen mit seiner Führung aussprechen, auch wenn Heinrich von Pierer nicht mehr TV-Präsident werden sollte, für sein Wirken am Standort Erlangen: Der TV 1848 ist in seinem Humankapital (oder wie all die schrecklichen Begriffe hier lauten) ein großer Nutznießer bzw. Profiteur des Konzerns. Das Gleiche gilt nun auch für die HC-GmbH, bei deren Gesellschafterversammlung mich der neue Geschäftsführer Hans-Joachim Koch beeindruckt hat, und mit Sicherheit auch für Hopfengärtners Arbeit beim FSV Bruck, von seiner Aufgabe bei der SSG ganz zu schweigen. Der Geschäftsführer und weitere Fachleute Ich möchte meine Betrachtung der gegenwärtigen TV-Führungsriege mit dem Blick auf den Geschäftsführer abrunden. Die Bedeutung Jörg Bergners in den zehn Jahren seiner Geschäftsführung im TV 1848 habe ich versucht zu umreißen. Die umfangreichen, für den Verein grundlegenden Tätigkeiten werden wir in einer Strukturskizze (ähnlich unserer Ehrenamtsübersicht, TV-Zeitung, 6/ 2003, S. 40) demnächst hier darstellen. Ich meine, die Aufgabe ist dem jungen Mann auf den Leib geschnitten. Er versucht hoch motiviert, seine ganze Kraft in den Dienst seines Vereins zu stellen. Dies gelingt ihm und der TV 1848 hat seine Vorteile aus dieser Arbeit. Die Entwicklung des Vereins in den letzten zehn Jahren, seine quantitative und qualitative Expansion, sind grundlegend auf die Ergebnisse der Vorbereitungsarbeiten Jörg Bergners zurückzuführen; freilich konnte diese Entwicklung nur durch die gemeinsame Arbeit aller Verantwortlichen vonstatten gehen. Vom Geschäftsführer im Büro in seine Aufgabe eingeführt zeigte sich Heinz Müssenberger von dieser Entwicklung hoch beeindruckt. Bezieht man in den Vereinsführungsrundblick die Beiräte mit ein, so ergänzen z. B. Peter von Pierer (Recht), Hermann Gumbmann (Politik), Georg Schilling (Steuern) als Fachleute in wesentlichen Bereichen das Anforderungsprofil einer funktionstüchtigen Führungsmannschaft. Sie wird mit Sicherheit den praktischen Anforderungen und Interessen des TV 1848 in ihrer Homogenität und Harmonie eher gerecht, als es Männer aus Wirtschaft und Gesellschaft im Ehrenamt, ausgesucht nach Berufen und Positionen, sein können, zumal sie kaum die notwendige Zeit aufbringen. Immerhin bringen manche von uns ihre Freizeit, einige sogar den Großteil ihres Jahresurlaubs regelmäßig in die Vereinsarbeit ein. Körper + Bewusstsein = Körperbewusstsein? Diese Formel macht natürlich wenig Sinn. Ich möchte sie trotzdem hier benutzen. Wenn man sich die Titelseite dieser Zeitung anschaut, kann einem schon einiges einfallen, worin der Reiz des Faszinosums Sport besteht: Geschicklichkeit im Wettstreit, Spiel mit dem Ball, Bewegung, Wettstreit mit den Stärkeren, Geselligkeit, u.s.w. Das spielerische Miteinander als Grundbedürfnis von jungen Menschen wird erkennbar. Ganz anders der Sport in unserem Fitness- und Gesundheitszentrum TV-Vital: Hier dient nicht der Körper für ein Spiel im Messen mit dem Gegner, sondern die Gestalt des Menschen selber wird zum Ziel des Sports in Kursen (s. Kursprogramm), in denen SportlerInnen meist synchronisierte Bewegungen machen oder die Menschen an Kraft- und Ausdauermaschinen ihre Figur und Gesundheit individuell verbessern wollen. Oftmals ist es ein Sich-Fordern und -Quälen, ein Schuften und Schwitzen, alles im Bewusstsein vom idealen Körper und der Gesundheit. Johan Huizingas „Homo Ludens“ von 1938, in dem der Niederländer seine Überzeugung darstellt, „dass menschliche Kultur im Spiel - als Spiel - aufkommt und sich entfaltet“, ist in der modernen Fitness-Welt des Sports längst abhanden gekommen. Das Gesundheitsbewusstsein wird zum Antrieb körperlicher Aktivitäten. Den ursprünglichen Spieltrieb im Sport mit seinen quasi Nebenprodukten Freude und Spaß erleben wir im traditionellen Sportbetrieb, während viele Menschen der Gegenwart - im TV-Vital sind es in der Mehrheit Frauen und Menschen über 30 - die körperliche und damit einhergehende geistige Beweglichkeit und Gesundheit vor allem mit zunehmendem Alter zum Ziel haben. Im TV 1848 machen sie mittlerweile über 60 Prozent aller Mitglieder aus. Niemand wird bestreiten, dass der Fitnesssport z. B. im extremen Bodybuilding einen Kult- und Suchtcharakter annehmen kann. Das ist aber nicht das Problem im TV 1848. Was einen als Vereinsvorsitzenden umtreiben muss, ist der Alkoholkonsum in beängstigend steigendem Maß bei Kindern. Seit Wolf-Dietrich Brettschneider („Brettschneider-Studie“) die landläufige Meinung, die jugendlichen Sportvereinsmitglieder seien weniger alkoholgefährdet als andere Jugendliche, mit einer wissenschaftlichen Arbeit als schöne Lebenslüge entlarvt hat, muss ich diese Herausforderung bei über 2.400 Kindern und Jugendlichen im TV 1848 annehmen. „Trinken bis zum Umfallen gilt bei den meisten Jugendlichen (und vermehrt bei Kindern ab 12) nicht als verwerflich oder eklig, sondern als chic“, schreibt die SZ, 24.6.2004, und die EN wissen: „Süchtig zu werden ist leider einfach menschlich“, um auf das Suchtproblem aufmerksam zu machen. Wenn in vielen Jugendgruppen „jeder Dritte Joints raucht“, kann die Mixtur aus steigendem Alkoholmissbrauch, zunehmender Haschischverbreitung bei Kindern und Jugendlichen bei gleichzeitig weit verbreiteter falscher „Toleranz“ und Ignoranz der Erwachsenen von den Verantwortlichen nicht unbeachtet bleiben. Ich kann deshalb nur davor warnen so zu tun, als gäbe es das Problem im TV 1848 nicht. Ich werde neben den Hinweisen in dieser Zeitung, meiner und des Vereins Beteiligung an Anti-Sucht-Aktionen und -Programmen (Vernetzung aller Institutionen!) vor allem die Ausbildung unserer Übungsleiter weiter voran bringen, um die seuchenartige Gefahr in das Bewusstsein unserer Mitglieder, der Heranwachsenden und der Erwachsenen zu rücken. Vielen unserer Übungsleiter ist in Seminaren ihre Vorbildfunktion bei den Jugendlichen verdeutlicht und bewusst geworden. Unsere Sportler - unsere Leitbilder „Schüpferling bei der Europameisterschaft“, „Krieger ist DM-Vierter“, „Imke Schiersch am schnellsten“, „FamilienErfolg der Höhles“, „TV 48 wieder mit Münzinger“, „TV 48 gewann hochkarätiges Turnier“, „Björn Day wurde Zweiter im 10.000 m Lauf“. Mit Freude und Zuversicht nimmt man die Meldungen der EN als Vereinsvorsitzender wahr. Nicht nur wegen der Erfolge, sondern weil hier Grenzen ausgelotet, erfahren werden. Weil die eigene Kraft erprobt wird. Weil die Leistung wahrgenommen wird. Weil der Umgang mit dem Erfolg und Misserfolg erlernt wird. Weil Gemeinschaft erlebt wird. Ich meine, hier trägt der Sport in den Vereinen in großem Maß dazu bei, dass Persönlichkeiten als Vorbilder wirken, die Körper und Bewusstsein in Einklang gebracht haben. Daran werden wir weiter arbeiten! |
||||||||
![]() |
||||||||