Leitartikel des Präsidenten Wolfgang Beck in der Vereinszeitung Februar / März 2006

Liebe Mitglieder,


es ist viel Bewegung im Turnverein, und das ist gut so. Wusste doch schon der 35-jährige Goethe: "Man darf sich nur vom Stuhle erheben oder zur Haustür hinausgehen, irgend etwas unternehmen, so sieht man, dass ein gutes Schicksal ist, das sich des Menschen annimmt. Wenn man sich nur bewegt, andre in Bewegung bringt, so fügt sich gar manches schön und gut." (Brief an Jakobi, 18.10.1784) Solchermaßen vom Genie in unserer eigentlichen Profession bestärkt und beflügelt, muss man Galilei zitierend hinzufügen:

Und sie bewegt sich doch!
Die bayerische Staatsregierung! Hatte man die lobenden Worte ihres Vorsitzenden zum Jahreswechsel über Ehrenamt und Breitensport noch als Lippenbekenntnis abgetan, so ereilt uns nun frohe Kunde aus Kreuth - nicht aus Greuth, dort gibt's das Geld vom Tee nur für Profifußball - : Die Zuschüsse für die Sportvereine sollen um 4,6 Millionen auf knapp 17 Millionen erhöht werden. Die Botschaft hören wir gern, allein uns fehlt der Glaube. Immerhin aber hat die CSU-Landtagsfraktion unter ihrem Vorsitzenden Joachim Herrmann, der Hoffnung Frankens, im verschneiten, kalten Oberbayern diese Entscheidung herbeigeführt. Die Kürzungen des Freistaats für den Sportbereich bleiben indes seit Jahren kaum verantwortbar hoch.
Die Stadt hält ihren Kurs!
Während Stoibers rigider Sparkurs die Vereine schwer getroffen hat, setzen Kommunalpolitiker ihren Kurs der Verantwortung fort. So auch in Erlangen. In der Haushaltsrede des CSU-Frak-tionschefs Hermann Gumbmann liest sich das so: "3 Millionen Euro sind im Haushalt für Schulen, Kultur, Freizeit, Soziales, Sport und Umwelt vorgesehen. Weitere Sparmaßnahmen würden die sehr engagierten Ehrenamtlichen in Vereinen und Organisationen unzumutbar treffen." Das Freizeitangebot bei Sport und Kultur müsse attraktiv und stimmig bleiben. SPD-Kreischef und Sportverbandsvorsitzender Robert Thaler hält dagegen: "In bestimmte Bereiche - so auch in die Vereine - wird zu wenig investiert. Die Röthelheimpark-Erlöse müssen viel umfangreicher zu Sonderfinanzierungen herangezogen werden." Der TV 1848 erhält im Jahr 2006 für das TV-Vital 50.000 Euro, so dass in den nächsten Jahren noch ca. 100.000 Euro Restzuschuss der Stadt für unser Gesundheitszentrum zu leisten sind.
Wie im vergangenen Jahr werden wir auch heuer - nicht zuletzt durch dieses städtische Fördergeld - unsere Schulden reduzieren, die aus den Investitionen in den Bau des TV-Vital entstanden sind. Dessen ungeachtet werden wir finanziell so beweglich bleiben, dass wir auch 2006 eine Reihe von Baumaßnahmen durchführen werden (Hausmeisterwohnung Jahnstraße, Außenzaun und Weg am A-Platz am Europakanal, Gaststättenfenster, Energiesparleuchten usw.).
"Sich regen bringt Segen"
In einer Zeit zunehmender Orientierungslosigkeit halten wir vom Turnverein es für unumgänglich, uns intern über Aufgaben und Ziele in einer sich schnell wandelnden Gesellschaft klar zu werden. Das Leitbild, die Marketingarbeit, Klausurtagungen dienen dieser Bestimmung. Die Bewegung in unseren Köpfen muss natürlich wesentliche Impulse von außen erfahren. Die Teilnahme Jörg Bergners und Günther Beierlorzers an den Seminartagungen des Freiburger Kreises, gelegentlich als Denkstube des deutschen Sports bezeichnet, und unsere Zusammenarbeit mit dem BLSV bereichern unser Entwicklungspotential beträchtlich. Friedrich Rückerts Spruch markiert unsere rationalen Bemühungen um die Zukunft des Turnvereins.
"Zukunftswerkstatt"
An der BLSV-Pilotveranstaltung unter dem Titel "Perspektiven für Großvereine im bayrischen Sport" mit dem Workshop "Zukunftswerkstatt" haben TV-Geschäftsführer und -Sportleiter teilgenommen. Aus den rund 30 Vertretern bayrischer Großvereine entstand ein nach dem Versammlungsort benannter noch informeller "Oberhachinger Kreis", der sich künftig jährlich treffen will. Ein aufschlussreiches Impulsreferat hielt der Sport- und Gesellschaftswissenschaftler Christian Wopp. Seine Forschungen bringen wichtige Erkenntnisse für die Sportvereine, wie z. B. den Bedeutungsgewinn wohnungsnaher Sportangebote, die großen Zielgruppen, die zukunftsorientierten Sportangebote, die frühe Bindung der Kinder an den Verein, die höher werdende Sportaktivität der Frauen und geringer werdender Sport bei Männern mit zunehmendem Alter, die Schlussfolgerungen aus dem demografischen Wandel ("Die Deutschen werden weniger, älter, internationaler, weiblicher, dicker."). Wopp präzisiert und definiert seine Ergebnisse als neue Herausforderungen an den Sport und seine Vereine.
Potentielle Gefahren: Legionellen, Schnee
Das Unglück von Bad Reichenhall hat viele Fachleute in Bewegung gebracht. Unser Architekt und Bauleiter Heimo Fillibeck kam für alle Hallen des TV zu einem positiven Ergebnis:
Jahnhallendach: Zimmermann-Holzkonstruktion, nicht geleimt, Holz tadellos;
Judohalle: Nagelbinder fest, Statik geprüft;
Am Europakanal: Uhls Satteldach ist sicher;
TV-Vital: 5 Jahre Leimbinder, Holz in Ordnung, keine Gefahren, spätere Überprüfung notwendig. Die Beton-Flachdächer sind von der Statik her sicher: Kleine Decke neben der Jahnhalle, Dach über der Tischtennis-Halle und Umkleiden am Europakanal sollte noch eine dritte Abdichtungslage erhalten.
Die Untersuchung unserer Wasserleitungen durch das "Institut für Umweltanalytik" (Funke, Möhrendorf) ergab in allen drei Liegenschaften sehr niedrige, unbedenkliche Legionellenwerte. Zudem wird in den Leitungen durch so genannte Legionellenschaltungen (Temperatur ca. 70°C) thermische Desinfektion durchgeführt. Das von uns eingeschaltete Gesundheitsamt wird uns demnächst möglicherweise weitere Empfehlungen aussprechen.
Am Anfang des neuen Jahres sehe ich den TV 1848 von Fachleuten sicher beraten, von hauptamtlichen Profis zukunftsfähig gemanagt, die den ehrenamtlichen Vorständen entscheidungsfähige Unterlagen für prinzipielle Wegmarken zur Weiterentwicklung des Vereins liefern.

Mit einem herzlichen Willkommensgruß an alle Neuen im TV verbleibe ich