Leitartikel des Präsidenten Wolfgang Beck in der Vereinszeitung Juni / Juli 2006

Liebe Mitglieder,


man kann es drehen und wenden wie man will, die Finanzen bleiben die Achillesferse der Sportvereine. Der Turnverein hat sich unter der Beachtung von Erkenntnissen aus dem Freiburger Kreis und der praktischen Politik des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) immer die Gesamtinteressen der Sportvereine zueigen gemacht. Deswegen und weil der TV 1848 natürlich in die allgemeine Sportentwicklung eingebunden ist, sind wir mit Geschäftsführer und Sportleiter an Tagungen des Freiburger Kreises (Verband der Sport-Großvereine) präsent, gestalten sie aktiv mit. Deswegen sind wir bei den Veranstaltungen des BLSV dabei, äußern mündlich und schriftlich unsere Überzeugungen.

Wir blicken optimistisch in die Zukunft
Bei aller Kritik an den staatlichen Mittelkürzungen werden wir aber nicht der deutschen Krankheit verfallen und damit den allgemeinen sportlichen Untergang des Abendlandes befürchten. Bei einem Schuldenstand von knapp 1 Mio. Euro, einem Jahresetat der bald doppelt so hoch ist, weiteren Schuldentilgungen in den nächsten Jahren, hohen Investitionen in unsere Sportstätten werden wir in Zukunft auch an deren Erweiterung denken müssen.
Die gute Nachricht der von Joachim Herrmann geführten CSU-Fraktion, die ursprünglich geplante Förderung der Vereine um netto 3,7 Mio. Euro zu erhöhen, macht uns Hoffnung, dass in München der Wert der Sportvereinsarbeit wieder deutlicher ins Bewusstsein gerückt ist. Wie die Förderung in diesem Jahr für den TV 1848 aussieht, wissen wir jetzt, Anfang Mai, immer noch nicht.
Dass wir in den kommenden zwei Jahren auf die letzten Zuschussraten der Stadt für das TV-Vital hoffen dürfen, haben wir in einem Gespräch mit der CSU-Führung positiv zur Kenntnis genommen. Der fragwürdige Spruch "Die Zinsen der Zwischenfinanzierung fressen die Zuschüsse auf" sollte damit endgültig vom Tisch sein.
Visionen, Perspektiven und die Zeichen der Zeit
"Jetzt spinnt er wohl total", wird sich mancher Teilnehmer der Mitgliederversammlung oder mancher Leser der EN gedacht haben. Einige meiner acht Punkte in meinem "Präsidiumsbericht" "Visionen und Perspektiven" haben sicher einen eher utopischen Charakter, andere sind eher etwas Programmatisches. Zu einem Teil will ich hier Stellung nehmen. Wenn Gerhard Nöth, Fußballtrainer und -abteilungsleiter des BSC in der bedauerlicherweise viel zu wenig besuchten Sportmatinee öffentlich äußert, er könne sich eine Zusammenarbeit mit dem TV 1848 durchaus vorstellen, wenn die SPD in ihrem "Erlanger Westboten" (Ausgabe April 2006) schreibt: "Der SPD-Distrikt West fordert, dass mittelfristig ein Vereinssportgelände westlich des Europakanals entstehen soll, weil hier ca. 20.000 Einwohner leben", wenn Klaus-Dieter Schreiter in den EN (7.4.2006) nach einer West-CSU-Befragung der Bürger schreibt: "Insgesamt ist die Entwicklung im Stadtwesten in den nächsten zehn Jahren so gewaltig, dass ein Bürger es erschreckend fand" und wenn man im Rathaus der Meinung ist, ein neues Sportzentrum jenseits des Kanals ist ohne den TV 1848 kaum vorstellbar, dann bekommen frühere Gespräche ein neues Gewicht, sind Fusionen, Erweiterungen und eine Zusammenarbeit der Westvereine neu zu überdenken und neu zu bewerten. Die großen Entwicklungen im Stadtwesten zu ignorieren, hieße jedenfalls, Chancen nicht wahrzunehmen. Mir scheint, die Situation ist der vom Ende der 80er Jahre nicht unähnlich, als im TV 1848 erstmals eine Erweiterung in Büchenbach erwogen, 1998 die Entscheidung fiel und 2001 das TV-Vital eröffnet wurde.
Wirtschaftlichkeit und Solidaritätsprinzip
"5 Jahre TV-Vital": Wir hatten eine fröhliche Jubiläumsfeier und einen sehr gelungenen Tag der offenen Tür". Ist das TV-Vital ohnehin eine Erfolgsgeschichte, so war es das Jubiläum ebenso. An diesem Jubiläumswochenende sind in das TV-Vital fast doppelt so viele neue Mitglieder eingetreten, wie die Kegelabteilung schon seit Jahren Getreue zählt oder ein Mehrfaches der JuJitsu-Leute in ihrer Abteilung. Genau in diesem Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit einerseits (TV-Vital) und Solidaritätsprinzip (Kegeln, JuJitsu u. a.) entwickelt sich der TV 1848. Wären wir ein Wirtschaftsunternehmen, müssten wir uns in der Zeit der sinkenden Fördergelder und steigenden Abgaben und Tarife sogar über den Fortbestand der Tennisabteilung Gedanken machen. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben uns hier neuerdings von der Vereinsführung stark engagiert, nachdem diese Abteilung in den letzten Jahren immer stärker vom Wirtschaftlichkeitsbereich in den Zuschussbereich (Solidaritätsprinzip) hinüber gerutscht ist.
Mitgliedsbeiträge
Um es vorwegzunehmen: Wir sind bei weitem nicht der Verein mit den höchsten Mitgliedsbeiträgen in Erlangen. Sozialverträglichkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Auch die moderate Beitragsanpassung im vergangenen Jahr platziert uns in der Mitte vergleichbarer Vereine. Wir haben dies immer wieder nachgewiesen. In einer Gesprächsrunde haben wir uns mit Mitgliedern der Gymnastikabteilung geeinigt: Auch die Skigymnastik bleibt zusatzbeitragsfrei. Damit sind (bei Mehrfachnennung) - entgegen einer verbreiteten Meinung - 4.219 Mitglieder ohne Zusatzbeiträge und 2.981 Mitglieder zahlen Zusatzbeiträge in ihren Abteilungen.
Fußballweltmeisterschaft in Deutschland
Auch der TV 1848 nimmt an der Fußball-WM (An-)teil. Unsere Trampoliner werden eine unter 19 Gruppen in der Arena in Nürnberg im Vorfeld der WM sein. Im "Sportaculum", einer großen Sport-Show, werden sie in ihrem Programm den WM-Teilnehmer Trinidad-Tobago vorstellen.
Dieser Ausgabe unserer Vereinszeitung liegt dieses postkartengroße, farbige Bild eines Frauenkopfes bei. Wir unterstützen damit die Aktionen der katholischen und evangelischen Frauenverbände sowie des Informationsbüros des
Europäischen Parlaments gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution während der WM in Deutschland.


Dank an alle Mitstreiter in der TV-Führung
Ein Jahr nach den Wahlen, in der Halbzeit unserer Amtsperiode, bedanke ich mich bei Heinz Müssenberger für seine Finanzaufsicht und seine Änderungsvorschläge, dem "Neuen" Fritz Löhr für sein Engagement im Gesellschaftlichen, Organisatorischen und in der Tennisabteilung, Dietmar Dommick für die Baumaßnahmen, Gerd Lönne für die interne, strukturelle Arbeit und Steuerung unserer vielfältigen Aufgaben, Günther Beierlorzer für Sportorganisation, Jörg Bergner für die Personal- und Geschäftsführung, Rudi Pfeifenberger und Dieter Höhlein für die Revision. Peter Streiter danke ich besonders für die guten Gespräche und die ergiebige Beratung. Ich will damit auch nach draußen sagen: Wir sind ein echtes Team, eine starke Mannschaft! Wir lassen uns von niemand auseinander dividieren - weder innerhalb noch außerhalb des TV 1848 Erlangen!
Weitab von allen Wahlen und aller Öffentlichkeit gebe ich den Dank vom CSU-Fraktionschef des Landtags Joachim Herrmann an alle Ehrenamtlichen (Brief vom 22. März 2006) abschließend weiter: "Ich danke allen Mitgliedern Ihres Vereins für das ehrenamtlich geleistete Engagement und wünsche Ihnen und Ihrem Verein weiterhin alles Gute und viel Erfolg."

Ich wünsche allen Mitgliedern, den alten und den neuen, einen schönen Sommer sowie erholsame Ferien- und Urlaubstage!